החול והים

Fragmente über Freiheit, Gott und die Welt

Eros und Thanatos in und um Israel

68years

Aus dem freudigen Anlass des 68-jährigen Gründungsjubiläums des Staates Israel zirkuliert derzeit auf Facebook ein Bild [1], dem die Fotografie eines antizionistischen Propagandaplakats [2] zugrundeliegt, dessen Aufschrift jedoch nachbearbeitet worden ist, sodass die Aufschrift nunmehr lautet:

»68 years old
and everybody still
wants to fuck you
Happy Birthday Israel«

Die allgemeine Begeisterung, mit der das Bild in israelsolidarischen Kreisen aufgenommen wird, hat natürlich zuerst etwas mit dem israelischen Überlebenswillen zu tun und mit der verwunderlichen Feststellung, dass es dem kleinen Judenstaat trotz widrigster Umstände irgendwie gelungen ist, seit nunmehr 68 Jahren zu bestehen. Um sich in sozialen Medien derart großer Beliebtheit zu erfreuen (binnen 13 Stunden nach Veröffentlichung von der Quelle [1] aus über 500fach weitergeteilt), bedarf es allerdings weiterer Zutaten neben der reinen Lebensfreude.

Der Witz stellt sich nur ein, wenn man die Doppelbedeutung von »to fuck so.«/»jmd. ficken« – nämlich einmal im sexuellen Sinne [3] und einmal im (sexualisiert) gewalthaften als jmd. fertigmachen, unterwerfen – unkritisch voraussetzt und also affirmiert. Viele Menschen werden gerne gefickt – bzw. zirkludieren [4] sie gerne –, aber sie werden nicht gerne fertiggemacht oder unterworfen. Über die subjektive Ebene hinaus sind Ficken und Geficktwerden hier zudem in ihrer Dimension als gesellschaftliche Verhältnisse zu verstehen: Gefickt wird die niedere, weibliche Klasse. Die in diesem Witz vermittelte Reproduktion dieses Verhältnisses ist daher als reaktionär zu kritisieren.

Woher nun die Begeisterung? Die der Sexualität innewohnende Spannung zwischen Lebens- und Todestrieb erscheint in diesem Witz aufgespalten: Der Eros manifestiert sich in erster Linie in den 68 Jahren israelischen Staatsbestehens; im nurmehr scheinbar Erotischen hingegen regiert der Thanatos. Die doppelte Affirmation in diesem Witz erlaubt es, den unterdrückten thanatischen Impulsen in einer dem patriarchal vergesellschafteten Über-Ich akzeptablen Form Ausdruck zu verleihen. Freud schrieb hierzu [5]:

»Hier wird endlich greifbar, was der Witz im Dienste seiner Tendenz leistet. Er ermöglicht die Befriedigung eines Triebes (des lüsternen und feindseligen) gegen ein im Wege stehendes Hindernis, er umgeht dieses Hindernis und schöpft somit Lust aus einer durch das Hindernis unzugänglich gewordenen Lustquelle.«

Was genau dabei als akzeptable Ausdrucksform durchgeht, hängt von der sozialen Peer Group ab, in der man sich bewegt. Ein in antideutschen Kreisen recht beliebtes Meme etwa verbindet den bewaffneten Überlebenskampf Israels noch deutlich offensiver mit Sexuellem:

Merkava

»Es gibt nichts verheerenderes als
eine Trennung
außer natürlich der israelische Kampfpanzer Merkava Mark IV
denn mit einem Gewicht von 65t und bewaffnet mit einer IMI 120-mm-Glattrohrkanone, einem Granatwerfer und 4 MG’s fickt dieser fiese Motherfucker einfach alles weg.«

Wenn der »fiese Motherfucker« mit seiner stählernen Glattrohrkanone »einfach alles wegfickt«, ist nicht nur das nominell Sexuelle zur reinen Aggression verkommen, es benennt auch ganz unverblümt, worüber wohl derjenige nicht hinweggekommen ist, der meint, dass es etwas von sich aus falsches, schädigendes ist, jemanden zu ficken: Dass er es mit seiner eigenen Mutter nicht tun durfte. [6]



[1]
Anna Berg, Bloggerin bei der Times Of Israel, veröffentlichte eine Version am 13.05.2016 auf ihrer Facebookseite unter https://www.facebook.com/annaberg.enoughisenough/photos/a.384360865018107.1073741830.383378761782984/963777543743100/

[2] http://www.indymedia.ie/attachments/may2008/outside_the_israeli_embassy.jpg

[3] »Ficken« ist dabei üblicherweise als »penetrieren« zu verstehen, worin bereits geschlechterhierarchische Ideologie zum Ausdruck kommt, da Penetration mit Macht assoziiert wird.

»An der Homosexualität unter Männern wird nicht so sehr gehasst, dass zwei gleichgeschlechtliche Partner sich lieben, sondern dass dabei ein Mann passives Sexualziel ist und beherrscht werden kann. Diese Passivität wird mit Kontrollverlust assoziiert und ist deshalb so angstbesetzt für das bürgerliche Subjekt, das glaubt, mit diesem Kontrollverlust seine Handlungsfähigkeit und letztendlich seine Existenz zu verlieren.« (Andrea Trumann: Das bürgerliche Subjekt und sein Anderes. CEE IEH #163, http://www.conne-island.de/nf/163/20.html)

[4] vgl. hierzu Bini Adamczak: Come on. ak 614, https://www.akweb.de/ak_s/ak614/04.htm

[5] Sigmund Freud: Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten. Wien 1905, S. 83.

[6] Die Annahme drängt sich auf, dass in der Identifikation mit dem beschnittenen jüdischen Soldaten, der nunmehr mit dem Stahlrohr seines Panzers bewehrt ist, zugleich die eigene Kastrationsangst abgewehrt wird:

»Der Kastrationskomplex ist die tiefste unbewußte Wurzel des Antisemitismus, denn schon in der Kinderstube hört der Knabe, daß dem Juden etwas am Penis – er meint, ein Stück des Penis – abgeschnitten werde, und dies gibt ihm das Recht, den Juden zu verachten. Auch die Überhebung über das Weib hat keine stärkere unbewußte Wurzel.« (Sigmund Freud: Analyse der Phobie eines fünfjährigen Knaben. In: ders.: GW VII, Frankfurt am Main 1905, S. 271)

Über die Nähe des zeitgenössischen Antifeminismus im deutschsprachigen Raum zu Antisemitismus

Anne Frank gewidmet

Antisemitismus ist ein ideologisches System der Ablehnung des »Jüdischen«. Es ist sehr alt und hat sich im Laufe seiner langen Geschichte als äußerst wandelbar und vielgestaltig erwiesen. Seine verschiedenen Erscheinungsformen unterscheiden sich nicht zuletzt darin, was als »jüdisch« wahrgenommen und abgelehnt wird. Als strukturell antisemitisch bezeichnet man dabei Ideologien, die »klassische« antisemitische Muster aufweisen, sich aber nicht explizit gegen Jüdinnen und Juden richten. Zumeist sind es bestimmte Formen regressiver Kapitalismuskritik, die als strukturell antisemitisch analysiert werden. [1]

Bei allen naturgemäßen Unterschieden [2] waren sowohl Antisemitismus als auch Antifeminismus fester Bestandteil der nationalsozialistischen Weltanschauung. Das Näheverhältnis der antisemitischen und der antifeministischen Bewegung bestand aber schon deutlich länger, nicht nur personell und organisatorisch – so war etwa die Dichotomie zwischen »entarteter Frauenbewegung« und der »reinen deutschen Frau« zunächst im Umfeld der antisemitischen Rechten formuliert worden [3] – sondern gerade auch mit zahlreichen ideologischen Bezugspunkten und zunehmender Verschränkung ihrer Stereotypen, [4] in denen die gemeinsamen Wurzeln in einem tiefsitzenden Ressentiment gegen die Moderne schlechthin ihren Ausdruck finden.

Eingedenk ihrer gemeinsamen Wurzeln wäre es naiv anzunehmen, dass sich diese ideologischen Gemeinsamkeiten in der postnationalsozialistischen Gesellschaft einfach erledigt hätten, zumal im Bezugsrahmen des Kapitalismus: Das innere Feindbild des Antifeminismus und das äußere des Antisemitismus kreuzen sich vor dem Hintergrund des Warenfetischs als »gieriger Jude« und »verschwenderisches Weib«, die im »warenproduzierenden Patriarchat« [5] beide als »unproduktiv« verschmäht und um ihre vermeintliche Triebhaftigkeit beneidet werden. [6]

An dieser Stelle soll ein erster Blick auf Muster antisemitischer Ideologien geworfen werden, die sich im Hier und Jetzt, also insb. in der antifeministischen »Männerrechtsbewegung« im deutschsprachigen Raum der Gegenwart, ausmachen lassen.

Regelmäßig geht Antifeminismus einher mit Verschwörungstheorien, die große formale Ähnlichkeiten zu solchen des klassischen und des sekundären Antisemitismus haben. Der Einfluss von Feministinnen auf das allgemeine Weltgeschehen wird dabei in irrationalem Maße überschätzt und dem Feminismus der Charakter einer weltweiten Verschwörung zur Unterdrückung und Ausbeutung von Männern zugeschrieben. [7]

Auch eine Art »Schuldkult« findet sich in diesem Weltbild, da eine reale Diskriminierung von Frauen nur als Ereignis aus einer fernen Vergangenheit akzeptiert wird, unter das eigentlich im Hier und Jetzt ein Schlussstrich gezogen gehört. Das Fortbestehen patriarchaler Strukturen wird demgegenüber geleugnet. Dass Feministinnen dennoch in der Gegenwart noch vom »Patriarchat« sprechen und »Gleichstellung« fordern, wo dies doch schon längst erreicht sei, wird daher als wichtiges Mittel der feministischen Verschwörung zur Unterdrückung (und Ausbeutung, denn: cui bono? Der »HelferINNENindustrie«! [8]) der Männer gesehen, denen von klein auf ein Schuldkomplex ggü. Frauen eingeimpft würde [9]. Hierdurch wird es in antifeministischer Lesart bspw. möglich, Elemente patriarchaler Ideologie wie »Ritterlichkeit« wahnhaft zu Folgen feministischer Indoktrination umzudeuten, so wie auch all die weniger schmeichelhaften Zuschreibungen über Männer und Männlichkeit – zumeist Produkte der bürgerlich-patriarchalen Gesellschaft und keineswegs feministische Erfindungen [10] – als genuin feministisches Geschlechterverständnis und Herrschaftsinstrument phantasiert werden.

Antifeministen und Antifeministinnen identifizieren dementsprechend häufig den Staat mit dem (monolithisch aufgefassten) Feminismus, der längst »Staatsdoktrin« geworden sei, wofür die schiere Existenz von »Gender Mainstreaming« als Beweis genug gilt. Natürlich sei man nicht gegen Gleichberechtigung, aber diese sei ja schon längst erreicht, man sei daher nur gegen den »Staatsfeminismus« [11]. Projektive Identifikation mit dem Staat findet sich auch beim modernen Antisemitismus [12] und nährt die Sehnsucht nach einer völkischen Revolution, um das verkommene System zu beseitigen; dementsprechend beliebt ist Antifeminismus in diesen Kreisen [13].

Von einer solchen Erhebung der »99 Prozent« [14] gegen jenes feministische System, bei dem »ähnlich wie in George Orwells Dystopie „1984“ Regierung und Opposition unter einer Decke stecken« [15], träumen aber nicht nur solche Antifeministen und Antifeministinnen, die aus ihrem Nationalchauvinismus keinen Hehl machen – auch der »linke Maskulist« Arne Hoffmann [16], der dem Feminismus eine »totalitäre Macht« [17] zuschreibt, sehnt sie herbei [18]:

»Ähnlich wie bei der Wirtschafts- und Finanzelite gibt es ein regelrechtes Kartell von Personen und Institutionem [sic], die ihre eigenen Interessen zum Schaden vieler ungehindert durchsetzen können, während sich die Machtlosen nur hinter vorgehaltener Hand über die herrschenden Zustände zu klagen trauen. Wo wären politische Proteste der „schweigenden 99 Prozent“ notwendiger als hier?«

Der Antikapitalismus, der hier als Matrize für die Konstruktion eines »linken«, »progressiven« Antifeminismus zugrundegelegt wird, ist tatsächlich ein regressiver Antikapitalismus, ein »Antikapitalismus auf der Grundlage des Kapitals« [19].

Diese Feststellung ist nicht zufällig; Hoffmann als Exponent des »linken Flügels« [20] des Maskulismus ist nicht einfach nur zufälligerweise sowohl Antifeminist als auch Anhänger strukturell antisemitischer »Kapitalismuskritik«. Ein solches Weltbild lebt von der Vorstellung eines Gegensatzes von »raffendem« und »schaffendem« Kapital, in ihm hallen die o. g. verschränkten Feindbilder des »gierigen Juden« und des »verschwenderischen Weibs« wider, oder um letzteres in seinen eigenen Worten zu sagen: »Frauen jammern, Männer arbeiten.« [21] Aus Unverständnis des Kapitals und Überforderung im Angesicht seiner abstrakten Herrschaft reagiert der regressive Antikapitalist auf die Zumutungen der Warengesellschaft mit Abscheu vor der Zirkulationssphäre und mit dem Rückzug in Verschwörungstheorien, die vermeintlich eine Repersonalisierung der Herrschaft gestatten, zusammen: mit dem Hass auf jene, in denen er die Agentinnen und Agenten der Zirkulationssphäre erblickt. Die andere Sphäre, die dem Antikapitalisten auf der Grundlage des Kapitals nicht geheuer ist, steht dagegen außerhalb der Logik des Kapitals und wird daher »entwertet«; es ist die der Reproduktion der Arbeitskraft, deren Abtrennung zum Festschreiben von Weiblichkeit als das Andere führt. [22] Während der einfache Sexist im bloßen Ressentiment gegen diese »Anderen« verweilen würde, deren Beitrag zum System (bzw. dessen von ihm affirmierten Teil) und zum eigenen Wohlbefinden er doch schätzt – wenn auch nicht wertschätzt –, geht der Antifeminist weiter, die Ausbruchsversuche der »Anderen« aus diesen patriarchalen Verhältnissen klar vor Augen. In der Enttäuschung über seine eigenen gescheiterten Versuche, den Zumutungen der kapitalistischen Moderne zu entfliehen, richtet sich sein Hass schließlich auch gegen die Agentinnen dieser Ausbruchsversuche, die ihm nunmehr als Profiteurinnen des Systems erscheinen: gegen »die Feministinnen«.

Es wäre auch gar nicht möglich, durch theoretische Anpassungen hin zu einer emanzipatorischen Kapitalismuskritik, die das Kapitalverhältnis als solches kritisiert, einen nicht strukturell antisemitischen Antikapitalismus zu erhalten, der dann als derartige Matrize für einen entsprechenden Antifeminismus dienen könnte, denn was sollte in dem Falle im Kontext des Antifeminismus die Rolle einnehmen, die im Kontext des Antikapitalismus Wert, Ware, Kapital spielen? Der im sexistischen Ressentiment begründete und verschwörungstheoretisch fundierte Antifeminismus funktioniert nur personalisiert, und die kritische Analyse des Warenfetischs macht ein Aufrechterhalten des Feindbilds von den »unproduktiven Parasiten« unmöglich.

Da struktureller Antisemitismus unter geeigneten Bedingungen problemlos in manifesten Antisemitismus umschlagen kann, verwundert es nicht, dass sich auch immer wieder typisch antisemitisches Gedankengut in antifeministischen Kreisen findet. Dafür muss man gar nicht erst in einen ekligen Moloch wie etwa »WGvdL« [23] hinabsteigen, wo sich die Maskus ohnehin in jeder nur erdenklichen Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit gegenseitig zu überbieten versuchen. Hervorgebrochen ist das etwa auch im Rahmen der in der breiten Öffentlichkeit geführten »Beschneidungsdebatte« 2012.

Zur Verschränkung von Antifeminismus und Antisemitismus im Beschneidungsdiskurs am Fin de siècle führt Karin Stögner aus: [24]

»In der aus der Wiener Alltagssprache überlieferten Identifikation von „Jud“ und „Klitoris“ drückt sich […] eine Abspaltung der verhassten, Angst einflößenden, weil unkontrollierten Elemente der weiblichen Sexualität aus, während die all dem zugrunde liegende Kastrationsangst in der weiblichen Klitoris physiologisiert und in der mit dem weiblichen Organ verschmolzenen Imago des „Juden“ personalisiert wird. Freud erblickte in der Kastrationsangst die Ursache von Antifeminismus und Antisemitismus als Krankheit des „arischen“ Mannes, der fürchte, genau zu dem gemacht zu werden, wofür sowohl die „Frau“ als auch der „Jude“ gesellschaftlich einstanden: nämlich „kastrierte“, i. e. gesellschaftlich machtlose, nicht herrschaftsfähige Wesen.«

Im Sommer 2012 dominierte das Thema Beschneidung den internen antifeministisch-maskulistischen Diskurs [25] und ging mit verstärkten öffentlichen Interventionen aus diesen Kreisen einher [26]. Auch im Rahmen dieser zeitgenössischen Beschneidungsdebatte, die unter dem aggressiven Einfluss der antifeministischen »Männerrechtsbewegung« stand, wurden tiefsitzende Ressentiments mobilisiert und es wurde großzügig auf antisemitische Bilder und Narrative [27] zurückgegriffen.

Einer der gängigsten Tropen des Antifeminismus nach Auschwitz ist der Vergleich von Schwangerschaftsabbrüchen (»Babycaust«) mit der Schoah. Er zieht sich als roter Faden von den maskulistischen Internethorden [28] bis zum bourgeoisen Mob, der – angeführt von v. a. katholischen und evangelischen Extremistinnen und Extremisten [29] – mit öffentlichen Veranstaltungen wie dem »Marsch für das Leben« [30] Frauen (sowie Frauenärztinnen und -ärzte) unter reaktionär-misogynen Druck von der Straße setzt. Die Dämonisierung des Rechts auf körperliche Selbstbestimmung von Frauen geht dabei Hand in Hand mit der Relativierung der Schoah.

Wir haben weiter oben gesehen, dass der Maskulismus Arne Hoffmanns strukturell antisemitisch ist. Tatsächlich stellt sich bei weitergehender Betrachtung auch heraus, dass es für ihn genau zwei Gruppen Menschen gibt, denen in seinem Weltbild eine besondere Stellung zukommt und über die »sich die Machtlosen nur hinter vorgehaltener Hand […] zu klagen trauen« [31]: Feministinnen und Feministen [32] – und Juden und Jüdinnen. [33]

Hoffmann – dessen eigener Umgang mit dem Thema Antisemitismus in erster Linie instrumentalisierend ist [34] – hat 2005 mit Warum Hohmann geht und Friedman bleibt [35] ein ganzes Buch dem »politischen Kampfmittel« des Antisemitismusvorwurfs gewidmet. Im Interview [36] mit dem islamistischen »Muslim-Markt« beklagt der »allein gegen die Tabu-Mafia« [37] Kämpfende die »Agitation […] jüdischer Lobbyisten« sowie eine vermeintliche »Tabuisierung einer allzu scharfen Kritik an den Verbrechen der israelischen Regierung an den Palästinensern«, die für ihn die »Vorstufe zu einem Völkermord« sind. Die Debatte über den Antisemitismus Jürgen Möllemanns deutet er verschwörungstheoretisch als »Ablenkungsmanöver«, damit das israelische Militär »besonders brutal« vorgehen könne. Kritik an seinen antisemitischen Thesen kontert er mit einer rhetorischen Parallelisierung des jüdischen Staates mit dem »Dritten Reich«. [38]

Ähnlich wie mit der »Israelkritik«, die es angeblich nicht gibt und nicht geben darf, obwohl nicht nur Szenepublikationen, sondern auch die Massenmedien voll davon sind und selbst Spitzenpolitikerinnen und -politiker sich ihrer mit obsessiver Regelmäßigkeit bedienen, ohne dass dies ihren Karrieren Abbruch täte, verhält es sich in Hoffmanns Weltbild mit der Kritik am Feminismus. [39] Bemerkenswert ist dabei, dass er zugleich – ganz im Modus der VT-Szene – für sein Blog regelmäßig auf feminismuskritische Beiträge auch aus den »Mainstream-Medien« zurückgreift, die es ja eigentlich gar nicht geben dürfte.

Häufig beklagt sich Hoffmann darüber, in die »rechte Ecke« gestellt zu werden. [40] Einmal davon abgesehen, dass dies so pauschal gar nicht der Fall ist [41], erschiene eine solche Verortung auch tatsächlich als nicht treffend – seiner zahlreichen Verbindungen nach rechtsaußen (u. a. Junge Freiheit, eigentümlich frei, Verlag Antaios, Kopp-Verlag, Compact-Magazin [42]) zum Trotze. Und auch, wenn die Problematisierung seiner Einbindung in rechtsextreme Diskurse von ihm problemlos als denunziatorischer Unterdrückungsversuch des totalitären feministischen Systems in sein Weltbild integriert und produktiv zur Legitimation seiner Opferideologie herangezogen werden kann, dürfte seine Entrüstung über die Einstufung seiner selbst als »rechts« authentisch sein. Seine eigene »Verortung im linksliberalen Spektrum« [43] ist keine bloße Schutzbehauptung (wenngleich er sie zur Selbstimmunisierung heranzieht), sondern verhält sich stimmig etwa mit einer Position, die er 1996 in seiner Magisterarbeit vertrat: [44]

»Solange Politische Korrektheit appellativ statt präskriptiv ist, hat sie in einer demokratischen Auseinandersetzung durchaus ihren Platz. Der entscheidende Unterschied liegt auf der Hand: Ein Appell eröffnet die Auseinandersetzung, ein Verbot beendet sie. […] Solange es keinen Eingriff staatlicher Autoritäten gibt, sind PC- Sprachregelungen, die auf dem Denken der Mehrheit (zum Schutz der Minderheit) basieren, die Auswirkung eines demokratischen, nicht eines totalitären Prozesses. Deutschland ist Teil einer freien Gesellschaft, und so viel Zivilcourage, auch eine der breiten Mehrheit widersprechende Einzelmeinung zu äußern, kann von jedem verlangt werden. Staatliche Sanktionen und Restriktionen hat er nicht zu befürchten, soziale Sanktionen hingegen lassen sich niemals vermeiden.«

Diese Position mag mit Blick etwa auf die o. g. späteren Aussagen Hoffmanns zunächst überraschen, sie erweist sich aber als konsistenter Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung seiner Ideologie. In seiner Magisterarbeit nähert er sich dem Thema der Political Correctness über rassistische Nominationen migrantischer Minderheiten; Sexismus spielt demgegenüber keine Rolle, ebenso der Umgang mit der Schoah, feministische Sprachkritik bleibt unberücksichtigt. [45] Das zentrale Moment auf seinem ideellen Weg vom obigen Standpunkt in die Diktatur des »Feminats« ist die projektive Identifikation der Feministinnen (und ihrer »lila Pudel« [46], den Feministen) mit dem Staat. Diese seine ideologische Entwicklung wird von ihm subjektiv – und kontrafaktisch [47] – zum einen als kontinuierliche und dramatische Radikalisierung des Feminismus wahrgenommen, zum anderen scheint dieser ihm mehr und mehr »Staatsreligion« zu werden, bis er ihm schließlich als jene »totalitäre Macht« erscheint, gegen deren Agentinnen und Agenten er die »99 Prozent« in Stellung bringen möchte.

Auch nach Warum Hohmann geht und Friedman bleibt zeigte Hoffmann »linkes« Engagement; zum einen als Gründer des »watchblog islamophobie«, zum anderen als Autor für die antirassistische Zeitschrift Die Brücke, für die er u. a. wohlwollend den Antizionisten Shraga Elam interviewte und die Thesen der verschwörungstheorieaffinen Vorurteilsforscherin Sabine Schiffer darstellte. [48]

Wenn nun als maßgeblicher Spaltkeil zwischen dem »linken« Maskulismus und seinem rechten Pendant die Abgrenzung oder Nichtabgrenzung von der Ideologie des Antifeministen [49], Antisemiten [50], antimuslimischen Rassisten und Homophoben [51] Anders Behring Breivik aufgrund der letzten beiden Punkte allein gelten kann, so sagt das auch etwas über die verbliebenen Gemeinsamkeiten beider »Flügel« aus. Arne Hoffmanns Einsatz gegen »Islamophobie« erscheint vor dem Hintergrund seiner Nähe sowohl zu antizionistischen und islamistischen Akteurinnen und Akteuren als auch zu solchen der Neuen Rechten als positiv gewandter »Islamneid« [52], dessen Breiviksche Ausprägung wiederum charakteristisch für den ihm gegenüberstehenden »Flügel« der antifeministischen Männerrechtsbewegung ist. [53]

Ob nun extreme Rechte oder Islamismus, auf diese beiden Feindbilder können sie sich einigen: Jüdinnen und Juden (bzw. chiffriert »Zionistinnen« und »Zionisten«, also Jüdinnen und Juden mit Selbstbestimmungsbestrebungen) sowie Feministinnen und Feministen (also Frauen mit Selbstbestimmungsbestrebungen sowie ihre männlichen Verbündeten), die – bei allen Unterschieden – beide historisch auf dem Weg in den Nationalsozialismus miteinander verschränkt worden sind, als »effeminierter Jude« bzw. »maskulinisierte Jüdin« [54] wie als jüdisch verdorbene Frau [55], und die es als Feindbilder nach wie vor zu demaskieren, zu kritisieren und zu bekämpfen gilt.

Um ein Résumé zu ziehen: Es wurde gezeigt, dass sich in allen nennenswerten gegenwärtigen Strömungen des Antifeminismus strukturell antisemitische Denkmuster finden lassen. Ebenso treten im antifeministischen Spektrum flügelübergreifend vom offen rechten Ende über die kirchlich-bürgerliche »Mitte« bis zum »linken Maskulismus« latente und manifeste Ausprägungen von Antisemitismus hervor. Wenn diese auch zumeist in ihrer milieutypischen Erscheinungsform (Antijudaismus, primärer, sekundärer und israelbezogener Antisemitismus) auftreten, erscheint es vor dem Hintergrund der historischen Verflechtung von Antisemitismus und Antifeminismus unwahrscheinlich, dass dieses flügelübergreifende Auffinden von Antisemitismen im Antifeminismus der postnationalsozialistischen Gesellschaft allein auf die allgemeine Verbreitung von Antisemitismus überhaupt zurückzuführen ist, dass also Antifeministen und Antifeministinnen nur zufällig (im Sinne einer unvermeidbaren Schnittmenge) zugleich antisemitisch seien. Dagegen sprechen neben den gemeinsamen Wurzeln von modernem Antisemitismus und Antifeminismus als Elemente einer antimodernen Weltanschauung auch die spezifischen wechselseitigen Bezüge dieser beiden ideologischen Elemente, wie sie vorliegend konkret anhand des »linken Maskulismus« Arne Hoffmanns herausgearbeitet wurden. [56]

 


 

[1] Für eine Einführung s. »Emanzipation und Frieden«: Was ist regressiver Antikapitalismus? Veröffentlicht am 22.05.2012 unter http://emafrie.de/was-ist-regressiver-antikapitalismus/. Als im Kontext dieses Beitrags erwähnenswerte Randnotiz sei hier festgehalten, dass das Konzept des strukturellen Antisemitismus in der antifeministischen »WikiMANNia« (»Unsere Garantie: Feminismusfreie Informationen!«) als »Kampfbegriff der Antifa und Anarchos« abgelehnt wird, s. »WikiMANNia«-Eintrag Struktureller Antisemitismus i. d. V. v. 04.03.2015, 04:14 Uhr, http://www.donotlink.com/hrps. Zur Entstehung der »WikiMANNia« – einer aus dem Ausland betriebenen antifeministischen Gegen-Wikipedia, deren zahlreiche verleumderische und persönlichkeitsrechtsverletzende Inhalte dank ihrer großen Erfolge in Sachen Suchmaschinenoptimierung zu einem echten Problem gerade für Einzelpersonen darstellt, die ins Visier des antifeministischen Mobs geraten – vgl. Andreas Kemper: Wikimannia, Maskulinisten und die AfD. Veröffentlicht am 22.07.2013 unter https://andreaskemper.wordpress.com/2013/07/22/wikimannia-maskulinisten-und-die-afd/.

[2] Eine der Schoah vergleichbare Massenauslöschung von Frauen hätte sich freilich nicht nur als aus praktischen Gründen undurchführbar erweisen müssen (hierfür hätten die Deutschen wohl auch irgendeine »Lösung« gefunden, hätten sie es nur ebenso fanatisch gewollt), sondern wäre auch von vornherein unvereinbar mit der völkischen Ideologie des Nationalsozialismus gewesen, im Rahmen derer die Frauen die Funktion »der Anderen« innerhalb der patriarchalen Volksgemeinschaft übernahmen, die dazugehörten, sofern sie sich durch bereitwillige Annahme ihrer sexistischen Unterdrückung einordneten – die »jüdische Rasse« dagegen als »das Andere« außerhalb der Volksgemeinschaften schlechthin herhalten musste, die es letztlich wider jede Restvernunft auszulöschen galt.

Dass das »Othering« ein wichtiges Moment nicht nur des Sexismus, sondern auch anderer Herrschaftsverhältnisse und damit verbundener Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ist, wurde von Simone de Beauvoir kurz nach Ende des »Dritten Reichs« in ihrem epochalen Werk Le deuxième sexe bereits ebenso festgestellt wie jener wichtige qualitative Unterschied zwischen Sexismus (der hierin dem Rassismus ähnlicher ist) und Antisemitismus (der nicht zuletzt deswegen nicht einfach als eine Spielart des Rassismus zu begreifen ist – eine Erkenntnis, hinter die heute oftmals zurückgefallen wird); Frauen gelten dem Sexismus wie Schwarze dem Rassismus als niedere, zu unterdrückende Wesen, die dann von Nutzen sein können, wenn sie sich unterwerfen und ihren vorgesehenen Platz einnehmen (plakativ: »Küche« und »Plantage«) – die Juden und Jüdinnen dagegen, dieses »vaterlandslose« Volk, erscheinen dem Antisemitismus in noch so geringer Zahl als eine tödliche Bedrohung, die möglichst restlos beseitigt werden muss:

»[Q]u’il s’agisse d’une race, d’une caste, d’une classe, d’un sexe réduits à une condition inférieure, les processus de justification sont les mêmes. « L’éternel féminin » c’est l’homologue de « l’âme noire » et du « caractère juif ». Le problème juif est d’ailleurs dans son ensemble très différent des deux autres: le Juif pour l’antisémite n’est pas tant un inférieur qu’un ennemi et on ne lui reconnaît en ce monde aucune place qui soit sienne; on souhaite plutôt l’anéantir. Mais il y a de profondes analogies entre la situation des femmes et celles des Noirs: les unes et les autres s’émancipent aujourd’hui d’un même paternalisme et la caste naguère maîtresse veut les maintenir à « leur place », c’est-à-dire à la place qu’elle a choisie pour eux ; dans les deux cas elle se répand en éloges plus ou moins sincères sur les vertus du « bon Noir » à l’âme inconsciente, enfantine, rieuse, du Noir résigné, et de la femme « vraiment femme », c’est-à-dire frivole, puérile, irresponsable, la femme soumise à l’homme. Dans les deux cas elle tire argument de l’état de fait qu’elle a crée.« (Simone de Beauvoir: Le deuxième sexe I. Éditions Gallimard, Paris 1949/1976, S. 27)

Shulamit Volkov entwirft vor dem Hintergrund der funktionellen Unterschiede von Antisemitismus und Antifeminismus – die sich gleichwohl »am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland tatsächlich auf derselben politisch-kulturellen Seite [befanden]« – die Überlegung, dass sich »[v]ielleicht gerade heute, hundert Jahre später« der Gegensatz von Antifeminismus und Feminismus »zu begrifflich bestimmenden und identifizierenden Werten in unserer Kultur« entwickeln könnten, der kulturellen Codierung des Gegensatzpaares von Antisemitismus und Anti-Antisemitismus um die Jahrhundertwende gleich, s. Shulamit Volkov: Antisemitismus und Antifeminismus: Soziale Norm oder kultureller Code. In: dies.: Das jüdische Projekt der Moderne. C. H. Beck, München 2001, S. 62ff.

[3] Ute Planert: Antifeminismus im Kaiserreich. Diskurs, soziale Formation und Mentalitäten. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, S. 82.

[4] Ausführlich dazu: Karin Stögner: Antisemitisch-misogyne Repräsentationen und die Krise der Geschlechtsidentität im Fin de Siècle. In: Frank Stern, Barbara Eichinger (Hrsg.): Wien und die jüdische Erfahrung 1900–1938. Akkulturation – Antisemitismus – Zionismus. Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2009, S. 229ff.

[5] Roswitha Scholz: Wert und Geschlechterverhältnis. In: Streifzüge 2/1999, online veröffentlicht unter http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=autoren&index=21&posnr=37&backtext1=text1.php

[6] Karin Stögner: op. cit., S. 239f.

[7] Hinrich Rosenbrock: Die antifeministische Männerrechtsbewegung. Denkweisen, Netzwerke und Online-Mobilisierung. In: Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Schriften des Gunda-Werner-Instituts, Band 8, ²2012, S. 70f.

[8] Das Konzept der »HelferInnenindustrie«, gewissermaßen der »militärisch-industrielle Komplex« der antifeministischen »Männerrechtsbewegung«, nimmt eine zentrale Rolle in der verkürzten ökonomischen »Kritik« des Antifeminismus ein. Dieser mafiösen Organisation gehören etwa nach Definition der »WikiMANNia« (vgl. Fn. 1) »sowohl kommerzielle als auch kirchliche Hilfsorganisationen (Wohlfahrtsverbände, Beratungsstellen, Frauenhäuser, Kinderschutzvereine), die darin beschäftigten Berufsgruppen (Sozialarbeiter, Anwälte, Soziologen, Erzieher, Therapeuten) und die dahinterstehenden Ämter (Ausländerbeauftragte, Behindertenbeauftragte, Frauenbeauftragten, Integrationsbeauftragte, Familiengerichte, Kriseninterventionsstellen, Asylberater, Frauenberater, Insolvenzberater, Frauenschützer, Kinderschützer, Tierschützer)« an, s. »WikiMANNia«-Eintrag Helferinnenindustrie i. d. V. v. 20.12.2015, 20:24 Uhr, http://www.donotlink.com/hrma. Bemerkenswert im Hinblick auf den strukturell antisemitischen Charakter des Antifeminismus ist auch die Deutung der Rolle der »HelferInnenindustrie« durch die familienfundamentalistische Programmseite »Die Familie und ihre Zerstörer«:

»„Stark durch Schwäche“, dieser sozialistisch pervertierte Grundimpuls des Christentums wird so in der Gesellschaft verbreitet. Die Schwäche, der Opferstatus, wird zum Selbstzweck erhoben; ein Parasitismus, an dem die Starken letztlich ausbluten und die Gesellschaft zugrunde geht.« (»Die Familie und ihre Zerstörer«: Die HelferInnenindustrie. Veröffentlicht unter http://de.dfuiz.net/familienzerstoerer/helferindustrie/ i. d. V. v. 03.01.2016)

[9] Der Gedanke durchzieht die gesamte antifeministische »Männerrechtsbewegung«, vgl. bspw.:

»Seit Jahrzehnten wird Männern die Schuld an der angeblichen Misere der Frauen gegeben. Männern Schuldgefühle einzureden und sie zwecks „Wiedergutmachung“ einzusetzen, hat sich als eine effiziente Strategie der Frauenpolitik erwiesen. […] Der Historiker Martin van Creveld behauptet, dass sich Männer für Frauen auch dann engagieren, wenn es ihnen persönlich oder ihrem Geschlecht schadet, weil sie damit eine Schuld zurückzahlen. Schließlich wurden sie von Frauen zur Welt gebracht und von ihnen erzogen: Die Stärke der Frauen ist das schlechte Gewissen der Männer. [Martin van Creveld: Das bevorzugte Geschlecht. Gerling Akademie Verlag, München 2003, S. 404f.]« (Alexander Ulfig: Geschlecht und Schuld. Veröffentlicht am 11.07.2015 unter http://www.cuncti.net/geschlechterdebatte/853-geschlecht-und-schuld)

oder das Lamento:

»Der Patriarchatsvorwurf ist […] wunderbar geeignet Männer einzuschüchtern und Schuldgefühle bei ihnen zu erzeugen und damit eine Wiederholung dessen zu erzeugen, was der durchschnittliche Mann als Sohn seiner durchschnittlichen Mutter zur Genüge über sich ergehen lassen musste« (Wolfram Schellberger: Eintrag Patriarchat auf »Männerrat«. Archiviert von »WikiMANNia« unter http://www.donotlink.com/hrmn)

Gelegentlich wird der Begriff auch explizit so verwandt, etwa in der folgenden Hashtag-Kompilation antifeministischer Reizworte:

»#Gaga-#Feministinnen wie Anne #Wizorek wollen allen Männern einen weiteren #Schuldkult zwecks #Ausbeutung und #Entrechtung einflüstern…« (Tweet von @maennerstreik vom 03.10.2015, https://twitter.com/maennerstreik/status/650429003233370112)

[10] Ausführlich dargestellt wird die Genese dieses Bildes vom Mann als brutal, rücksichtslos usw. »um 1800« in der Dissertation von Christoph Kucklick (der sich gleichsam nur wenig Mühe gibt, seine Antipathie ggü. Feminismus in seiner Schrift zu verbergen und dessen Schlussfolgerungen aus seiner Bestandsaufnahme keineswegs geteilt werden müssen, zumal Machtverhältnisse in seiner Analyse keine Rolle spielen), vgl. Christoph Kucklick: Das unmoralische Geschlecht: Zur Geburt der Negativen Andrologie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008. Zu weiteren Kritikpunkten vgl. die Rezension von Ruben Marc Hackler für H-Soz-Kult, veröffentlicht unter http://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-13207.

[11] Zum »Kollaborationsverhältnis zwischen Staat und Feminismus« vgl. bspw. Michail Savvakis: Warum Antifeminismus? Vortrag zum 1. Internationalen Antifeminismus-Treffen, am 30.10.2010 in Zürich. Archiviert von »WikiMANNia« unter http://www.donotlink.com/hthe.

»Zu Verschwörungstheorien gehören Vernichtungsphantasien« (»Antilopen-Gang«); vgl. hierzu »Die Söhne von Perseus«: Die Welt hält den Atem an! Veröffentlicht am 29.10.2010 unter http://sonsofperseus.blogspot.de/2010/10/die-welt-halt-den-atem.html.

[12]

»Langsam und stetig hatte der Antisemitismus in mehr als hundert Jahren eine Schicht des Volkes nach der anderen ergriffen, […] bis er plötzlich sich als das entpuppte, worauf eine in allen anderen Fragen hoffnungslos gespaltene öffentliche Meinung sich über Nacht einigen konnte. Das Gesetz, nach dem dieser Prozeß, erst einmal von allen unbemerkt, vor sich gegangen war, war eigentlich sehr einfach gewesen: Da die Juden die einzige Schicht der Gesellschaft waren, auf die der Staat sich in gleich welcher Form und unabhängig von allen Regierungswechseln verlassen konnte, war jede Klasse der Gesellschaft, die mit dem Staat als solchem in Konflikt geriet, antisemitisch geworden, weil die Juden die einzige Gruppe waren, die innerhalb der Nation den Staat zu repräsentieren schienen.« (Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Piper, München 162013, S. 78)

[13] Zum Antifeminismus der AfD s. Andreas Kemper: Keimzelle der Nation? Familien- und geschlechterpolitische Positionen der AfD – eine Expertise. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 2014, online unter http://library.fes.de/pdf-files/dialog/10641.pdf; sowie ders.: Keimzelle der Nation – Teil 2. Wie sich in Europa Parteien und Bewegungen gegen Toleranz, Vielfalt und eine progressive Geschlechter- und Familienpolitik radikalisieren. Friedrich-Ebert-Stiftung, Berlin 2014, online unter http://library.fes.de/pdf-files/dialog/11163.pdf.

[14] Im Falle der Wissenschaft sind dies bspw. »die „99 Prozent“ der Nicht-Frauenbeauftragten, der herausgegenderten Akademiker und der in ihrer Forschungs- und Redefreiheit beschnittenen Forscher« (Arne Hoffmann: Occupy Feminism? Veröffentlicht am 03.04.2012 unter http://www.cuncti.net/geschlechterdebatte/285-occupy-feminism)

[15] ibid.

[16] Für eine Kurzvorstellung s. Hinrich Rosenbrock: op. cit., S. 46ff.

[17] Arne Hoffmann: Occupy Feminism?

[18] ibid.

[19] Lothar Galow-Bergemann: Unverstandener Nationalsozialismus – Unverstandener Antisemitismus. Aufgenommen am 17.09.2015, veröffentlicht am 23.09.2015 unter http://emafrie.de/audio-unverstandener-nationalsozialismus-unverstandener-antisemitismus/.

[20] Selbstverortung u. a. auf seinem in der Szene einflussreichen Blog »Genderama«, die v. a. von der Abgrenzung von jenem »Flügel« der antifeministischen »Männerrechtsbewegung« herrührt, in der dem identitären Terroristen und Antifeministen Anders Behring Breivik mit Verständnis oder gar Sympathie begegnet wird:

»Ganz sicher spiele ich hier nicht weiter das linksliberale Feigenblatt für ultrarechte Maskulisten. […] Der Gewaltaufruf gegen missliebige Menschen und Meinungen trägt, anders als das rechte Spektrum in der Männerbewegung einem weismachen will, eben nicht zu einer liberaleren, sondern einer totalitäreren Haltung bei: egal ob die „Hanfkrawatten“ für muslimische Einwanderer, für „Muselfreunde“ oder für Kritiker eines radikalen Maskulismus gefordert werden. […] Spätestens nach Norwegen kann man sich auch nicht mehr in der falschen Sicherheit wiegen, dass diese ständige Hetze nur verbale Kraftmeierei im Internet bleibt. Eine Radikalisierung, wie sie hier betrieben wird, ist mit mir nicht zu machen.« (Arne Hoffmann: Warum ich nicht mehr blogge. Veröffentlicht am 21.08.2011 unter http://arnehoffmann.blogspot.de/2011/08/warum-ich-nicht-mehr-blogge.html)

[21] Arne Hoffmann: Zustände: Frauen jammern, Männer arbeiten. In: eigentümlich frei 37, S. 11.

[22] vgl. Charlotte Mohs, Korinna Linkerhand: Natürlich gesellschaftlich? Überlegungen zu Arbeit, Natur und Geschlecht. In: outside the box #4, veröffentlicht unter http://www.outside-mag.de/issues/4/posts/70.

[23] Für einen Überblick zum antifeministischen Forum »Wieviel ›Gleichberechtigung‹ verträgt das Land?«, in der Szene auch als »das gelbe Forum« bekannt, s. Hinrich Rosenbrock: op. cit., S. 119ff.

[24] Karin Stögner: op. cit., S. 236.

[25] Vielsagend ist die Bezeichnung der Brit Mila als »Vorhautabtreibung« auf »WGvdL« (http://www.donotlink.com/htin). Beispielhaft weitere Auszüge aus dem Thread Beschneidung von Jungen, gestartet am 13.07.2012: Gleichsetzung von Vorhautbeschneidung bei Jungen und Genitalverstümmelung bei Mädchen (http://www.donotlink.com/htif); über Juden: »Spacken mit einem verkrüppelten Pimmel können mangels Kompetenz genausowenig mitreden wie inkompetente Weiber« (http://www.donotlink.com/htih); über die Tätigkeit eines als »Drecksau« bezeichneten Mohel: »Die Brith Milah (Buben-Verstümmelung) wird vom Mohel (Kinderschänder) grundsätzlich „Le’schem Mizwa“ (der Erfüllung des Gebotes / positiven Verplichtung zuliebe) (Barberei) durchgeführt. Allerdings entstehen ihm bei jeder Brith Milah Aufwendungen die gedeckt werden sollten, wie Material- & Reinigungskosten, Arbeitsausfall und Reisespesen. Darüber hinaus freuen sich natürlich die Mohalim (Verstümmelungsorganisation?) über eine Honorierung, die deren Verantwortung (Grausamkeit) und die Qualität (Rücksichtslosigkeit) der Leistung (Triebtat) berücksichtigt.« (http://www.donotlink.com/htii)

Gleichsetzung der religiösen Vorhautbeschneidung mit der Genitalverstümmelung bei Mädchen findet sich ebenfalls bei Arne Hoffmann, der auch in diesem Zusammenhang das Interesse der »Machthaber in diesem Land« bemüht, seltsame Vergleiche zwischen Feminismus und Nationalsozialismus zieht und eine »moralische Bankrotterklärung« in einer Erklärung des Zentralrats der Juden sieht, welcher allein zur Ablenkung hiervon »ganz laut „Antisemitismus!“ krakeelt«, s. Arne Hoffmann: Beschneidung: Ignoranz und Sexismus. Veröffentlicht am 05.10.2012 unter http://genderama.blogspot.de/2012/10/beschneidung-ignoranz-und-sexismus.html.

[26] Während der antifeministische Internetmob sich in erster Linie damit begnügte, die Kommentarspalten zum Thema mit Hate speech zu fluten, hat sich mit systematischer politischer Einflussnahme v. a. der antifeministisch-maskulistische Verein MANNdat e. V. (zu diesem: Hinrich Rosenbrock: op. cit., S. 99ff.) hervorgetan, der auch religiöse Vorhautbeschneidung mit der Genitalverstümmelung an Mädchen gleichsetzt (vgl. bspw. das von »WikiMANNia« archivierte Protestplakat unter http://www.donotlink.com/htj9). Aber auch der Einfluss der antifeministischen »Männerrechtsbewegung« auf seriösere Schlüsselfiguren der Debatte darf nicht unterschätzt werden. Der Verfasser des in der FAZ veröffentlichten Offenen Briefs zur Beschneidung (Matthias Franz: Offener Brief zur Beschneidung. Veröffentlicht am 21.07.2012 unter http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/offener-brief-zur-beschneidung-religionsfreiheit-kann-kein-freibrief-fuer-gewalt-sein-11827590.html) – in dem ebenfalls die religiöse Vorhautbeschneidung mit weiblicher Genitalverstümmelung gleichgesetzt und zudem als »(sexuelle) Gewalt« klassifiziert wird – mit über 600 Mitunterzeichnerinnen und -unterzeichnern, Matthias Franz, Professor für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universität Düsseldorf und Autor des Buches Neue Männer – muss das sein?, richtet zugleich regelmäßig den Düsseldorfer »Männerkongress« aus – zusammen mit dem antifeministischen Verein Agens e. V. (zu letzterem: Hinrich Rosenbrock: op. cit., S. 86ff.) als Mitveranstalter (s. »WikiMANNia«-Eintrag Männerkongress in Düsseldorf i. d. V. v. 13.10.2015, 19:53 Uhr, http://www.donotlink.com/ht80; vgl. Thomas Gesterkamp: Männerkongress in Düsseldorf: Tabubrecher unter sich. Veröffentlicht am 20.09.2012 unter http://www.taz.de/Maennerkongress-in-Duesseldorf/Kommentare/!5083685/).

[27] s. hierzu etwa Matthias Küntzel: Kontaminiertes Terrain. Veröffentlicht am 08.08.2012 unter https://www.perlentaucher.de/essay/kontaminiertes-terrain.html. Die dort erwähnte Karikatur der Giordano-Bruno-Stiftung ist bei dieser mittlerweile nicht mehr auffindbar, wurde aber durch Übernahme von »WikiMANNia« archiviert, s. http://www.donotlink.com/hti3.

[28] Beispiele:

»Zwar kennt der Feminismus keine Vernichtungslager aus Holz oder Stein. Dafür aber sterben die Menschen jetzt in warmen Mutterleibern, und ihre Opferzahl ist nicht geringer als in den Vorgängersystemen. […] In diesem System sind wir alle, die wir seit der Neufassung des § 218 am Leben sind, Überlebende. Nicht unsere politische Linientreue, nicht unsere Verteidigung, sondern allein die Laune einer Frau, eine glückliche Laune, hat es verursacht, daß wir noch am Leben sind. Es hätte auch anders kommen können. Doch die Frau hat von ihrer Möglichkeit der straffreien „Abtreibung“ keinen Gebrauch gemacht, so wie viele Lageraufseher von ihrer Möglichkeit des straffreien Abknallens von Gefangenen keinen Gebrauch gemacht haben.« (»MannPassAuf!«: Der Feminismus und seine Überlebenden zweiten Grades. Innere Blut- und Bodenpolitik. Veröffentlicht am 22.03.2011 unter http://mann-pass-auf.de/sk73.php. Hervorhebungen im Original.)

»Wer aber den moralischen Wert eines Menschen von meritokratischen Eigenschaften wie Geschlecht, Gruppenzugehörigkeit und Leistungsvermögen abhängig macht, der öffnet solchen Schrecklichkeiten wie der Euthanasie und dem Holocaust Tür und Tor. Schliesslich ging auch die Vernichtung von Behinderten und von Juden mit den moralischen Begründungen einher, dass es sich um „unwertes Leben“ und „Untermenschen“ handeln würde – und das alleine, weil sie meritokratisch entweder ein anderes Leistungsvermögen aufwiesen oder einer anderen Gruppe angehörten. Auch Abtreibung wird auf ähnliche Weise gerechtfertigt, indem dem Fötus aufgrund äusserer Merkmale einen niedrigeren Wert zugestanden wird, als jener der abtreibenden Mutter – schliesslich sei es „ihr Bauch“ und der Fötus somit der Mutter moralisch untergeordnet.« (»Die Söhne von Perseus«: Die moralischen Grundlagen des Maskulismus. Veröffentlicht am 15.10.2011 unter http://sonsofperseus.blogspot.de/2011/10/die-moralischen-grundlagen-des.html)

»Abtreibung steht in einer Reihe mit den schlimmsten Traditionen der menschlichen Geschichte : Euthanasie und Holocaust. […] Die Abtreibung war auch die vorweggenommene Erfolgsgeschichte des Feminismus. Nachdem die Gesellschaft sogar Mord nach Gutdünken erlaubte wußten die Femis, daß es überhaupt keine Schranken mehr geben würde. Was kann man darüberhinaus einer Menschengruppe noch mehr erlauben, als ungestraft morden zu können ? […] Die Abtreibungszahlen weltweit seit Legalisierung übertreffen die Opfer des Holocaust bereits um ein Vielfaches.« (»maennergedanken«: Abtreibung. Veröffentlicht am 10.01.2012 unter https://maennergedanken.wordpress.com/2012/01/10/abtreibung/)

»Wir müssen uns jetzt gar nicht darauf festlegen, daß ungeborene Menschen tatsächlich Menschen seien. Wir können hypothetisch auch einmal annehmen, es seien keine Menschen. Von den Insassen der Gulags und der KZ wurde ja seitens ihrer Betreiber und Befürworter Dasselbe behauptet: es seien keine Menschen. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang vielmehr, daß es sich jeweils um Herrschaftsinstrumente totalitärer Systeme handelt. Das Massenmord-Instrument der Kommunisten war (u.a.) das Gulag-System; das Massenmord-Instrument der Nazis war das KZ-System; und das Massenmord-Instrument der Fezis ist das Abtreibungs-System. (Für den, der es immer noch nicht weiß: Nur Mütter können den Pränalmord in Auftrag geben und ggf. den Auftrag zurückziehen!)« (Thomas R. E. Lentze: Ein Antifeminist, der die Abtreibung billigt, ist wie ein Antikommunist, der die Gulags billigt. Veröffentlicht am 24.06.2012 unter http://weiberplage.de/index.php?id=1798)

Auch im Rahmen der opferideologischen Elemente des Antifeminismus werden entsprechende Vergleiche gerne gezogen, z. B. vom »WGvdL«-Mitbetreiber Rainer Hamprecht: »So gesehen sind Männer die Juden der BRD.« (http://www.donotlink.com/hwe1)

[29] Besonders markant verbunden sind Antisemitismus (sowohl in Form von Antijudaismus als auch von modernem Antisemitismus) und Antifeminismus (sowie Homophobie) in diesem Kontext bei der Piusbruderschaft.

[30] vgl. Netz gegen Nazis: „Marsch für das Leben“: Nationalismus in christlichem Gewand. Veröffentlicht am 18.09.2014 unter http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/%E2%80%9Emarsch-f%C3%BCr-das-leben%E2%80%9C-nationalismus-christlichem-gewand-9705.

[31] vgl. Zitat zu Fn. 18. Im Originalwortlaut ist von den »herrschenden Zustände[n]« die Rede, aber wie oben herausgearbeitet wurde, werden diese bei ihm als persönliche Herrschaft verstanden.

[32] In dem Zusammenhang sei angemerkt, dass Hoffmann 2007 auch ein Buch zur Verteidigung der rechtsesoterischen Antifeministin Eva Herman geschrieben hat, Der Fall Eva Herman. Hexenjagd in den Medien. Im Interview mit der neurechten »Jungen Freiheit« erklärt er: »Wer glaubt, das NS-Tabu wurde Herman zum Verhängnis, irrt« (Moritz Schwarz: „Eva Herman und die Apo 2.0“ Veröffentlicht am 13.11.2007 unter https://jungefreiheit.de/debatte/interview/2007/eva-herman-und-die-apo-20/). Tatsächlich sei der Feminismus der Schlüssel zum »Fall Herman«, nicht deren wirre Aussagen über den Nationalsozialismus – der wiederum für Hoffmann mit Antifeminismus anscheinend nichts zu tun hat.

Hermans vieldiskutierte Originalaussage aus der Buchvorstellung von Das Prinzip Arche Noah am 06.09.2007 ist tatsächlich grammatikalisch derart unbrauchbar, dass sie für sich genommen kaum sinnvoll zu deuten ist:

»Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68ern wurde damals praktisch alles das – alles, was wir an Werten hatten – …; es war ’ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle. Aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben …« (Eva Herman am 06.09.2007. Audio-Mitschnitt archiviert unter http://www.duesseldorf-blog.de/audio/Eva_Herman.mp3)

Ohne sich en detail mit der damaligen Affaire auseinanderzusetzen, kann jedenfalls festgehalten werden, dass sie ungeachtet der Intention des fraglichen Zitats offensichtlich über ein geschlossenes rechtsesoterisches Weltbild verfügt und auf vielfältige Weise in die Strukturen der Querfront eingebunden ist.

[33] Zu einem ähnlichen Schluss kommt man auf dem Blog »Wartezeit überbrücken …«: Verschwörung hinter dem Spitzenvorhang. Veröffentlicht am 13.01.2008 unter http://waiting.blogsport.de/2008/01/13/verschwoerung-hinter-dem-spitzenvorhang/.

[34] Dass Antisemitismus selbst (auch abseits einer Mikrominderheit milieuverwahrloster Skinheads) als echtes Problem Bestand hat und auch die existentielle Bedrohungslage des jüdischen Staates real ist, spielt für Arne Hoffmann allenfalls eine untergeordnete Rolle, sein ins Zwanghafte gesteigerte Interesse gilt dem Antisemitismusvorwurf als Diskursmittel – ebenso wie ihn sexuelle Gewalt gegen Frauen nicht weiter interessiert, während er zugleich eine obsessive Angst vor dem Vergewaltigungsvorwurf als feministisches Herrschaftsinstrument kultiviert (vgl. auch Hinrich Rosenbrock: op. cit., S. 49f.).

Dementsprechend ist sein Umgang mit dem Thema. Einerseits kommentiert er etwa Karin Stögners Forschungsprojekt »Antifeminismus und Antisemitismus: eine zeitdiagnostische Studie« am Institut für Konfliktforschung (s. http://www.ikf.ac.at/a_proj07/a_pro05.htm) mit den Worten: »Wenn es die DDR noch gäbe, ob deren Akademiker dann wohl auch Kurse abhalten würden wie „Antisozialismus und Rassenhass: Gemeinsamkeiten und Korrespondenzen“? Vermutlich.« (Arne Hoffmann: „Antifeminismus und Antisemitismus: eine zeitdiagnostische Studie“. Veröffentlicht am 30.09.2007 unter http://genderama.blogspot.de/2007/09/antifeminismus-und-antisemitismus-eine.html) Hiermit macht er nicht nur deutlich, dass er eine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis beider Ideologien für offenbar nicht notwendig hält, er verleiht auch abermals seiner Grundüberzeugung Ausdruck, dass die Bundesrepublik Deutschland ein männerunterdrückender Unrechtsstaat mit dem Feminismus als Staatsideologie sei, der sich gewohnheitsmäßig des Antisemitismusvorwurfs bedient, um die Befreiungsbewegung der »99 Prozent« mundtot zu machen.

Andererseits greift er dann doch gern auf die Kritik (Gerhard Amendt: Die Mitschuld der Frauen an der NS-Zeit. Geschichtsverleugnung, Väterfeindlichkeit und Antisemitismus im ideologischen Feminismus. In: Das Jüdische Echo, Vol. 57, S. 110ff. Veröffentlicht online in drei Teilen ab 05.10.2009 unter http://www.hagalil.com/2009/10/frauenbewegung-1/) des späten Antifeministen Gerhard Amendt (zu diesem: Hinrich Rosenbrock: op. cit., S. 52ff.) an antijudaistischen und antisemitischen Tendenzen in der zweiten Welle der Frauenbewegung zurück (Arne Hoffmann: TU Berlin: Meinungsverbot. Veröffentlicht am 06.12.2013 unter http://ef-magazin.de/2013/12/06/4716-tu-berlin-meinungsverbot). Dass die (ihrerseits kritikwürdige) Kritik Amendts wesentlich auf der Arbeit feministischer Theologinnen (v. a. Charlotte Kohn-Ley, Ilse Korotin (Hrsg.): Der feministische »Sündenfall«? Antisemitische Vorurteile in der Frauenbewegung. Picus Verlag, Wien 1994) aufbaut, reicht auch nicht aus, um Hoffmanns Vorstellung vom sich beständig radikalisierenden Feminismus zu erschüttern.

Die damit einhergehende kognitive Dissonanz wird von ihm vielmehr so aufgelöst, dass er darin seine irrationale Vorstellung vom Feminismus als progredient tyrannischer »Staatsreligion« bestätigt sieht, als der Jude Amendt 2013 von einer Veranstaltung der wirtschaftswissenschaftlichen Fachschaftsinitiative an der TU Berlin ausgeladen wird – allerdings nicht, weil da ein »jüdischer Wissenschaftler« es wagte, Kritik an antisemitischen Tendenzen innerhalb der »Staatsreligion« zu üben, wie Hoffmann es nahezulegen versucht, sondern weil es nach berechtigter Kritik daran, zu einer Podiumsdiskussion ausgerechnet zum Thema Frauenquote ein rein männlich besetztes Podium aufzustellen, der Fachschaftsinitiative wohl dämmerte, dass zumindest die Einladung auch noch des sexistischen und homophoben Antifeministen Amendt (zusätzlich zum antifeministischen Schriftsteller und Compact-Konferenzteilnehmer Bernhard Lassahn) vielleicht doch zuviel des Guten gewesen sein könnte. Als Legitimation für diese Umdeutung dient Hoffmann ein Satz im Blogbeitrag der Linken Liste an der TU Berlin: »Zum einen ist da Gerhard Amendt, der Feminismus als Feindbild sieht und ihm sogar eine argumentative Nähe zu antisemitischen und rassistischen Diskursen unterstellt.« (Linke Liste (TU Berlin): Veranstaltung zur Frauenquote mit 0% Frauen auf dem Podium… wtf?! Veröffentlicht am 19.11.2013 unter http://lilitu.blogsport.de/2013/11/19/veranstaltung-zu-frauenquote-mit-0-frauen-auf-dem-podium-wtf/) Nun kann man den Berliner Genossinnen und Genossen vorhalten, zu unreflektiert mit der von ihnen dabei referenzierten Aussage »Gerhard Amendt sieht den Feminismus als Feindbild. Er unterstellt ihm eine argumentative Nähe zu antisemitischen und rassistischen Diskursen.« (Hinrich Rosenbrock: op. cit., S. 53) umgegangen zu sein, insofern als dass sie nicht würdigen, dass sich derartiges Gedankengut tatsächlich auch in der Frauenbewegung findet (wenngleich diese auch nicht Amendts großzügige Generalisierungen rechtfertigen). Aus diesem Halbsatz aber zu konstruieren, »dass ein jüdischer Wissenschaftler an einer deutschen Uni auch wegen seiner Kritik an antisemitischen Diskursen […] ein Sprechverbot erhält« (Arne Hoffmann: TU Berlin: Meinungsverbot), ist mindestens suggestiv.

Ähnlich verhält es sich mit der Auflösung eines Gastdozentenvertrags zwischen dem Historisch-Kulturwissenschaftlichen Zentrum der Universität Trier und dem israelischen Militärhistoriker Martin van Creveld zwei Jahre zuvor. Dieser hatte seine Position als Gastprofessor dazu zweckentfremdet, in seiner Antrittsvorlesung statt seiner sein Renommee begründenden Fachgebiete Militärgeschichte und Strategie seine unwissenschaftlichen und zutiefst sexistischen Privatansichten über Frauen auszubreiten (detailliert hierzu: Kathrin Schug: “Wenn ich ‘Menschen’ sage, meine ich Männer”. Veröffentlicht am 18.10.2011 unter http://www.16vor.de/wenn-ich-menschen-sage-meine-ich-manner/). Nach einem Protestschreiben (AStA der Universität Trier et al.: Offener Brief zu Martin van Creveld. Veröffentlicht am 24.10.2011 unter http://www.uni-trier.de/index.php?id=21689&tx_ttnews[tt_news]=12570&tx_ttnews[backPid]=13691&cHash=8ab089121258786b476a00f07b8fcdcc) distanzierten sich sowohl der Universitätspräsident als auch der gesamte Vorstand der HKWZ von diesen kruden Thesen van Crevelds, von dessem Buch Das bevorzugte Geschlecht (vgl. Fn. 9) sie anscheinend erst im Nachhinein Kenntnis erlangten (vgl. Kim-Björn Becker: Uni Trier entlässt Historiker wegen zweifelhafter Thesen: „Viele Frauen genießen es, wenn Männer sich abschlachten“. Veröffentlicht am 31.10.2011 unter http://www.sueddeutsche.de/karriere/uni-trier-entlaesst-historiker-wegen-zweifelhafter-thesen-viele-frauen-geniessen-es-wenn-maenner-sich-abschlachten-1.1177356). Auch dieser Vorgang wird von Hoffmann so zusammengefasst, »dass ein jüdischer Wissenschaftler auf Druck radikaler Linker von einer deutschen Universität ein Sprechverbot erhielt«, wobei er auch die Schlagzeile des neurechten Publizisten André Lichtschlag wiedergibt: »Jude Martin van Creveld von der Uni Trier entfernt« (Arne Hoffmann: TU Berlin: Meinungsverbot).

Auch die Reichspogromnacht darf bei Hoffmann zum Zwecke der Feminismuskritik herhalten:

»[K]ann man sich auch nur im Ansatz vorstellen, dass hierzulande eine feministische Publizistin ihre eigene Männerfeindlichkeit öffentlich hinterfragt? Dass also etwa [passenden Namen Ihrer Wahl einsetzen] [sic] bekundet: „Du lieber Gott, wie ich mich vom Zeitgeist und von einem Hass auf eine bestimmte Menschengruppe mitreißen lasse, macht mir Angst. Wenn ich 1938 gelebt hätte, hätte ich vermutlich Steine in die Schaufenster jüdischer Geschäfte geschmissen.“ Natürlich nicht. So viel kritische Selbstreflexion findet in diesen Hirnen nicht statt.« (Arne Hoffmann: Occupy Feminism?)

Natürlich ist auch der zeitgenössische Feminismus nicht frei von Antisemitismus, insb. in Form von Antizionismus in seinen poststrukturalistischen Strömungen, vgl. bspw. aktuell Jared Samilow: This Is What Happens When BDS Infiltrates Social Causes That Have Nothing to Do With Israel. Veröffentlicht am 29.12.2015 unter http://www.haaretz.com/jewish/the-jewish-thinker/.premium-1.694396. Da Hoffmann selbst antizionistische Aktivisten unterstützt (vgl. Fn. 36 u. 47), findet sich hierzu keine Kritik seinerseits.

[35] Das Buch erschien bezeichnenderweise im der »konservativen Revolution« verschriebenen Verlag Antaios des Neurechten Götz Kubitschek.

[36] Muslim-Markt: Interview mit Arne Hoffmann. Veröffentlicht am 18.11.2005 unter http://www.muslim-markt.de/interview/2005/hoffmann.htm.

[37] Arne Hoffmann: Allein gegen die Tabu-Mafia. In: eigentümlich frei 25, S. 33; sowie ders.: Gegen die Tabu-Mafia – für eine neue Medien-Ethik. In: eigentümlich frei 26, S. 28.

[38]

»Ich erinnere mich an Zeiten in der deutschen Geschichte, in denen die Behauptung als „Hetze“ angefeindet wurde, die Nationalsozialisten würden einen Völkermord vorbereiten.« (Arne Hoffmann: 4. Dezember 2005. Veröffentlicht am 04.12.2005 unter http://arnehoffmann.blogspot.de/2005/12/4-dezember-2005.html)

[39] z. B.:

»Hoffmann: […] präsentieren uns die herkömmlichen Medien keine Alternative zur feministischen Ideologie« (Moritz Schwarz: „Eva Herman und die Apo 2.0“ Veröffentlicht am 13.11.2007 unter https://jungefreiheit.de/debatte/interview/2007/eva-herman-und-die-apo-20/)

»Wie lange hält die Presse noch still und tut, als ob Männerdiskriminierung kein Thema wäre?« (Arne Hoffmann: Plädoyer für eine linke Männerpolitik. Selbstverlag, Springen/Berlin 2014, S. 97)

»“Ich habe den Eindruck, dass diejenigen, die die Medien und die Sozialpolitik kontrollieren, die Öffentlichkeit hier gezielt im Dunkeln tappen lassen“ befindet Couture. „Ich wurde selbst schon zu lange zensiert und zum Schweigen gebracht, um noch an einen Zufall zu glauben.“ Eine offene Debatte sei aber unmöglich, solange die progressiven Medien jegliche Kritik am Feminismus zurückwiesen. [… L]eider hat Couture Recht, was ihre Kritik an Medien angeht, die sich selbst als progressiv verstehen.« (Arne Hoffmann: „Diese Linken müssen so stolz auf sich sein“. Veröffentlicht am 29.08.2015 unter https://www.freitag.de/autoren/ahoffmann/diese-linken-muessen-so-stolz-auf-sich-sein-3)

[40] z. B.:

Arne Hoffmann: „Der Beitrag von Herrn Gesterkamp ist kontraproduktiv“. Veröffentlicht am 05.01.2009 unter http://genderama.blogspot.de/2009/01/der-beitrag-von-herrn-gesterkamp-ist.html.

Ders.: Politische Manipulation in der Wikipedia (Teil 1: Konkretes). Veröffentlicht am 11.11.2012 unter http://arnehoffmann.blogspot.de/2012/11/politische-manipulation-in-der_11.html.

Ders.: Nach feministischen Terrordrohungen: Männerrechtler starten Spendenkampagne für Meinungsfreiheit (Video). Veröffentlicht am 02.06.2014 unter http://genderama.blogspot.de/2014/06/nach-feministischen-terrordrohungen.html.

Ders.: Tristan Rosenkranz: „Darum ziehe ich mich von männerpolitischer Arbeit zurück“. Veröffentlicht am 30.09.2015 unter http://genderama.blogspot.de/2015/09/tristan-rosenkranz-darum-ziehe-ich-mich.html.

[41] Rosenbrock weist in seiner Studie für die Böll-Stiftung explizit darauf hin, »dass Arne Hoffmann sicherlich nicht als rechter Ideologe bezeichnet werden kann, er seine Bündnispartner für die Männerrechtsbewegung jedoch vor allem nach dem von ihm gesehenen Nutzen für diese und weniger nach deren demokratischen und ethischen Grundlagen auswählt« (Hinrich Rosenbrock: op. cit., S. 48), und auch Gesterkamp betont in seiner Expertise für die FES:

»Eine „Entlarvung“ männerrechtlicher Akteure nach dem Muster der früher üblichen, viel zu schematischen Rechtsextremismusforschung („Guilt by association“) führt zu Trugschlüssen. Nicht jeder, der zu einem Rechtsextremen Kontakt hält oder in einer rechtslastigen Zeitschrift publiziert, ist automatisch selber rechtsextrem. Trotzdem ist es wichtig, den ideologischen Dunstkreis zu beleuchten, inhaltliche und personelle Überschneidungen festzustellen, gemeinsame autoritäre Einstellungen zu benennen, zu große Offenheit und fehlende Berührungsängste von Männerrechtlern dem rechtsextremen und rechtskonservativen Milieu gegenüber zu skandalisieren.« (Thomas Gesterkamp: Geschlechterkampf von rechts. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 2010, S. 13)

[42] Wahrscheinlich nirgendwo sonst wird Arne Hoffmanns Platz in der Querfront so schön bildhaft wie auf dem Titelblatt der Ausgabe 7/2011 des Compact-Magazins, s. Jürgen Elsässer: COMPACT-Juli-Ausgabe: Raubtier-Feminismus – Nein danke! Veröffentlicht am 04.07.2011 unter http://www.goodreads.com/author_blog_posts/1346576-compact-juli-ausgabe-raubtier-feminismus-nein-danke. (Bildbeschreibung: Titelblatt des Compact-Magazins mit Bild von Jörg Kachelmann, danebenstehend die Schlagzeilen: »Alice Schwarzer / Who the Fuck is Alice?«, »Bilderberg / Geld & Macht«, »Sexfalle / Wallstreet & DSK«, »Terror / RAF & CIA«, »E-Autos / Bluff & Pleite«, Bildunterschrift: »Der gedemütigte Mann / Raubtier-Feminismus – Nein danke!«)

[43] U. a.: Arne Hoffmann: Politische Manipulation in der Wikipedia (Teil 1: Konkretes). Veröffentlicht am 11.11.2012 unter http://arnehoffmann.blogspot.de/2012/11/politische-manipulation-in-der_11.html.

[44] Arne Hoffmann: Political Correctness. Zwischen Sprachzensur und Minderheitenschutz. Tectum Verlag, Marburg 1996, S. 91.

[45] »[Hoffmanns] Darstellung bleibt ebenfalls fragmentarisch: Gerade bei einem sprachkritischen Ansatz darf m.E. keine Ausklammerung der wichtigen Bereiche der feministischen Sprachkritik oder der für Deutschland relevanten ‚historischen Korrektheit‘ stattfinden.« (Sabine Wierlemann: Political Correctness in den USA und in Deutschland. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2002, S. 32)

[46] Arne Hoffmann: Wir nennen sie „lila Pudel“. Veröffentlicht am 15.06.2012 unter http://genderama.blogspot.de/2012/06/wir-nennen-sie-lila-pudel.html.

[47] Die meisten Quellen, auf die er regelmäßig als Beleg für feministische Männerfeindlichkeit zurückgreift, stammen von Exponentinnen der zweiten Welle der Frauenbewegung, etwa Valerie SolanasSCUM Manifesto von 1967 (unter Verkennung dessen satirischen Charakters), Zitate wie »Terror issues forth from the male, illuminates his essential nature and his basic purpose« aus Andrea Dworkins Pornography: Men Possessing Women von 1981 oder Kommentare Alice Schwarzers wie der zur Rache der vergewaltigten Lorena Bobbit in der Emma 2/1994. Gerade der gegenwärtige Feminismus der folgenden dritten (und vierten) Welle wendet sich u. a. gegen derartige Essentialisierungen und tritt insgesamt sehr viel »männerfreundlicher« (nicht zu verwechseln mit »patriarchatsfreundlich«) auf, vgl. Antje Schrupp: Third-Wave-Feminismus. Veröffentlicht 2008 unter http://www.antjeschrupp.de/third-wave-feminismus; oder als populäres Beispiel: Meredith Haaf, Susanne Klingner, Barbara Streidl: Wir Alphamädchen: Warum Feminismus das Leben schöner macht. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2008, S. 107ff.

[48] Zu Hoffmanns Arbeit im »watchblog islamophobie« vgl. »Friends of Israel«: Vereint im Hass: Die Querfront gegen Israel. Veröffentlicht am 25.12.2008 unter http://israelsolidarity.blogspot.de/2008/12/vereint-im-hass-die-querfront-gegen.html. (Der Blog wurde anscheinend infolge von Klagen des rechten Verschwörungstheoretikers und antimuslimischen Rassisten Udo Ulfkotte eingestellt.)

Zu seiner Arbeit für Die Brücke s. bspw. http://www.bruecke-saarbruecken.de/themenrueckblick2006.htm, insb.: Arne Hoffmann: Für einen klaren Gegenpol. Shraga Elam über judeophile Attitüden in deutschen Medien. In: Die Brücke, Heft 139, 2006.

Zu Shraga Elam s. Karl Pfeifer: Die Antiimperialisten, Shraga Elam und David Irving: Die USA und Israel sind schuldig. Veröffentlicht am 11.07.2004 unter http://www.hagalil.com/archiv/2004/07/aik.htm; sowie »Tante Emmas Gemischtwarenblog«: Die Shraga-Elam-Brigaden – Nasrallah’s Little Helpers. Veröffentlicht am 30.12.2006 unter http://tante-emma.blogspot.de/2006/12/die-shraga-elam-brigaden-nasrallahs.html.

Zu Sabine Schiffer s. Alex Feuerherdt: Propaganda als Dienstleistung. Veröffentlicht am 15.10.2010 unter http://lizaswelt.net/2010/10/15/propaganda-als-dienstleistung/; sowie Jennifer Nathalie Pyka: Das Versuchslabor der Sabine S. Veröffentlicht am 10.12.2011 unter http://www.theeuropean.de/jennifer-pyka/9179-meinungsfreiheit-und-rechtsextremismus.

[49] Zu Breiviks Antifeminismus s. kurz Jane Clare Jones: Anders Breivik’s chilling anti-feminism. Veröffentlicht am 27.07.2011 unter http://www.theguardian.com/commentisfree/2011/jul/27/breivik-anti-feminism.

[50] Zu Breiviks – wegen seines offensichtlichen antimuslimischen Rassismus i. d. R. wenig beachtetem – Antisemitismus s. Gerhard Scheit: Die Methode Breivik. Veröffentlicht am 02.08.2011 unter http://lizaswelt.net/2011/08/02/die-methode-breivik/.

[51] Die Einbindung Schwuler ist für das Projekt eines »linken Maskulismus« auch strategisch bedeutsam, vgl. Arne Hoffmann: Plädoyer für eine linke Männerpolitik, S. 257ff.

[52] vgl. Stephan Grigat: Islamneid: Was die rechten Fremdenfeinde und den Attentäter von Oslo umtreibt. In: Versorgerin, Heft 91, 2011. Veröffentlicht unter http://www.cafecritique.priv.at/Islamneid.html.

[53] Der Vollständigkeit halber sei auf einen polemisch gehaltenen Artikel Magnus Klaues für die konkret verwiesen, in der dieser über durch rassistische Imaginationen motivierte maskulistische Sympathien für die patriarchalen Elemente des Islam, auch mit Blick auf Hoffmann (sowie den »Väteraufbruch für Kinder«), schreibt:

»Die verständnisinnige Hinwendung der männerbewegten Gemeinde zum Islam ist längst mehr als ein obskures Hobby: Hier wird auf breiter Front und – entgegen dem weinerlich masochistischen Selbstbild der Männerbewegung – mit tatkräftiger juristischer Rückendeckung dafür gestritten, grundlegende zivilisatorische Standards der westlichen Gesellschaften im Namen von „Männerrechten“, „Vaterrechten“ und „kulturellen Differenzen“ zu suspendieren. Seiner naturwüchsigen Rechte als Hordenführer beraubt, stilisiert der deutsche Maskulist den von Bürokratie, Jurisprudenz und Sozialstaat um seine autochthone Herrschaft gebrachten arabischen Familienvater in pathischer Projektion zum Stammesgenossen.« (Magnus Klaue: Sehnsucht nach Unterwerfung. Veröffentlicht 2008 unter http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=sehnsuchtnachunterwerfung&jahr=2008&mon=01)

Die Grobschlächtigkeit des Textes sowie sachliche Mängel (den eigens für Hoffmann erfundenen »Belfort-Bax-Preis« der privaten Kleinstiftung Christof Kellmanns erhielt ersterer 2004, also ein Jahr vor Veröffentlichung von Warum Hohmann geht und Friedman bleibt) mindern den Gebrauchswert dieses Urteils jedoch erheblich. Allerdings ist auch Hoffmanns Selbstverteidigung gegen Klaue (Arne Hoffmann: Broder lässt sich von „konkret“ verführen. Veröffentlicht am 29.01.2008 unter http://genderama.blogspot.de/2008/01/broder-lsst-sich-von-konkret-verfhren.html) nicht ernstzunehmen, soweit sie sich auf den vorgeblich antisemitismuskritischen Charakter seines Buches bezieht. Es trifft zwar zu, dass er dort (selbstverständlich!) betont, Antisemitismus müsse bekämpft werden, und auch die Existenz muslimischen Antisemitismus’ grundsätzlich anerkennt (S. 185f.) – dies ändert aber nichts daran, dass er mit dem Buch zugleich ein antisemitismusleugnendes, antisemitismusverharmlosendes, den Jüdinnen und Juden Schuld an ihrer Verfolgung zuschreibendes, kurz: antisemitisches Werk in einem rechtsextremen Verlag veröffentlicht und in islamistischen Kreisen dafür geworben hat. Seine Verfahrensweise in Sachen Antisemitismus ist die gleiche, mit der er Sexismus handhabt: Einerseits betont er zwar, dass er natürlich gegen Antisemitismus und Sexismus sei, praktisch betätigt er sich andererseits mit seinen Publikationen sowohl antisemitisch als auch sexistisch und antifeministisch.

Der »Väteraufbruch für Kinder« (VAfK) schließlich nimmt in mehrerlei Hinsicht eine Sonderrolle ein. Wenn sich auch in seinem Umfeld zweifellos zahlreiche Antifeministen und Antifeministinnen tummeln, lässt er sich – unbeschadet der Kritikwürdigkeit auch seiner offiziellen Positionen und Lobbyarbeit – nicht pauschal als antifeministischer Verein fassen. So wäre schon eine Differenzierung zwischen den lokalen Vereinen an der Basis, die eher Selbsthilfegruppencharakter haben, und dem eher politisch agierenden Bundesverband nötig; letzterer ist auch als Mitglied in das BMFSFJ-geförderte »Bundesforum Männer« eingebunden, das sich von Antifeminismus strikt abgrenzt. Eine nähere Analyse des VAfK steht m. W. noch aus, wäre aber ein wichtiges Unterfangen, zumal »der Väterpolitik auch eine Türöffnerfunktion im Rahmen der generellen Männerpolitik zukommen [kann]« (Andreas Borter: Väterpolitik(en). In: Markus Theunert (Hrsg.): Männerpolitik. Was Jungen, Männer und Väter stark macht. Springer VS, Wiesbaden 2012, S. 183).

Für queerfeministische Kritik an Klaue in anderem Kontext vgl. »grrrly faggot«: Der Gender_Gap als Telos der befreiten Gesellschaft. Veröffentlicht am 24.04.2013 unter https://linksunten.indymedia.org/en/system/files/data/2013/04/4542909135.pdf; sowie »unendlich irreduzibel«: Zu Magnus Klaue und Intersex. Veröffentlicht am 23.11.2014 unter https://unendlichirreduzibel.wordpress.com/2014/11/23/zu-magnus-klaue-und-intersex/.

[54] Karin Stögner: op. cit., S. 256f., 264f. Ausführlich dazu: Arbeitsgemeinschaft Gender-Killer (Hrsg.): Antisemitismus und Geschlecht. Von „effeminierten Juden“, „maskulinisierten Jüdinnen“ und anderen Geschlechterbildern. Unrast-Verlag, Münster 2005.

[55]

»Wo der jüdisch-demokratisch-feministische Mammongeist den nationalen Heldengeist erst völlig vernichtet hat, ist eine Wiedergeburt ausgeschlossen, da steht der Untergang vor der Tür.« (Ludwig Langemann: Die Zusammenhänge zwischen Semitismus, Demokratismus, Sozialismus und Feminismus (1919), z. n. Annette Kuhn: Der Antifeminismus als verborgene Theoriebasis des deutschen Faschismus. Feministische Gedanken zur nationalsozialistischen ,Biopolitik‘. In: Leonore Siegele-Wenschkewitz, Gerda Stuchlik (Hrsg.): Frauen und Faschismus. Der faschistische Körper. Pfaffenweiler 1990, S. 45; wiederum z. n.: Karin Stögner: op. cit., S. 243)

»Das Wort von der Frauenemanzipation ist ein nur vom jüdischen Intellekt erfundenes Wort, und der Inhalt ist von demselben Geist geprägt.« (Adolf Hitler am 08.09.1934 auf der Tagung der NS-Frauenschaft während des Reichsparteitags in Nürnberg, z. n. Cornelia Maaß: Das Frauenbild in der NS-Arbeitswissenschaft und seine Bedeutung für die betriebliche Personalpolitik: Am Beispiel Frauenindustriearbeit. Staatsexamensarbeit an der Freien Universität Berlin, Institut für Management, November 1999, S. 11)

»Durch die Kräfte der sexuellen Demokratie hat der Jude uns die Frau gestohlen. Unsere Jugend muß sich erheben, um den Drachen zu töten, damit wir von Neuem die heiligste Sache der Welt erlangen können, die Frau als Jungfrau und Dienerin.« (Gottfried Feder, z. n. Margarete Mitscherlich-Nielsen: Überlegungen einer Psychoanalytikerin zum Hitlerreich. Über männliche und weibliche Werte damals und heute. In: Leonore Siegele-Wenschkewitz, Gerda Stuchlik (Hrsg.): op. cit., S. 28; wiederum z. n.: Karin Stögner: op. cit., S. 243)

[56] Um »Missverständnisse« zu vermeiden hier noch eine kleine Aufzählung von Dingen, die mit diesem Beitrag nicht ausgesagt werden:

»Wer nicht feministisch ist, ist antisemitisch!« – Nein. Einfach nein.

»Alle Antifeministen und Antifeministinnen sind handfeste Antisemiten bzw. Antisemitinnen!« – Auch nicht, obschon es aufgrund des hier dargelegten Näheverhältnisses beider Ideologien naheliegt, dass, wer antifeministischer Ideologie anhängt, auch in besonderem Maße anfällig ist für antisemitisches Gedankengut. Grundsätzlich gilt, dass Antisemitismus tief in unserer Kultur verwurzelt ist und dementsprechend niemand gänzlich frei davon ist. Was weder ein Freibrief für ungehemmten Antisemitismus ist, noch bedeutet, dass es nicht Menschen, Ideologien und Handlungen gibt, die mehr antisemitisch sind und welche, die es weniger sind. Einen glühenden Antisemiten sollte man unbeschadet dieses differenzierten Ansatzes auch ruhig einen solchen nennen.

»Weil es gegen Antifeminismus keine Argumente gibt, kommt stattdessen die Antisemitismuskeule!« – Nein. Antifeminismus ist auch aus sich heraus scheiße und gehört schon allein als menschenverachtende Ideologie und aufgrund seiner reaktionären und revanchistischen Agitation für die Wiederherstellung und Neuerrichtung sexistischer Verhältnisse bekämpft. In diesem speziellen Beitrag hier ging es aber halt eben nicht primär darum, sondern um eine Analyse speziell des Verhältnisses von Antifeminismus und Antisemitismus. (»Antisemitismuskeule« ist übrigens antisemitischer Sprachgebrauch.)

»Wer Probleme von Männern thematisiert, ist antifeministisch!« – Nein. Wer es nicht hinbekommt, die Probleme von Männern zu thematisieren, ohne sich dabei ausgerechnet den Feminismus bzw. die Feministinnen und Feministen als Feindbild und Wurzel des Übels zusammenzuspinnen, ist antifeministisch. Und Teil des Problems. Die Erosion starrer Geschlechterrollen und die Befreiung von den damit verbundenen Zwängen (auch der Männer!) ist wesentlich ein Verdienst der langjährigen Arbeit vieler Feministinnen und einiger Feministen. Die möglichst weitgehende Befreiung aller Menschen von Sexismus und patriarchalen Verhältnissen ist wesentliches Element feministischer Programmatiken. Wer sich eine eigenständige Männerpolitik wünscht, die nicht antifeministisch ist, dem sei zum Einstieg Markus Theunert (Hrsg.): op. cit. empfohlen.

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